Leadership Juni 2026 · 7 Min. Lesezeit

Toxische Führungskräfte schon im Vorstellungsgespräch entlarven: Die Fragen die alles verraten.

Worauf kandidatinnen bei Interviews achten sollten und was tote Fische mit Führungsqualität zu tun haben.

Die meisten Menschen gehen ins Vorstellungsgespräch und denken: ich muss mich beweisen. Richtig. Aber das Gespräch geht in beide Richtungen. Sie werden bewertet und Sie bewerten. Die Frage ist, ob Sie die richtigen Fragen stellen, um zu erkennen, was Sie erwartet.

Toxische Führungskräfte verstecken sich im Interview hinter Antworten, die klingen wie Führungsstärke. Aber wer weiss, wonach er sucht, sieht die Zeichen.

Die Fischfrage — eine wahre Geschichte

Aus der Praxis
„Was würden Sie tun, wenn in diesem Raum plötzlich tote Fische von der Decke fallen?"

Diese Frage habe ich einmal einem Führungskandidaten gestellt. Er lachte. Kurz. Dann antwortete er und durchfiel sofort.

Was er sagte: Er würde den Techniker anrufen und den Raum verlassen lassen. Problem gelöst.

Was die Frage testet: Denkt jemand in Krisen zuerst ans Team? Sucht er den Ursprung des Problems, bevor er reagiert? Zeigt er Initiative für das Unabhängige statt für das Offensichtliche?

Die richtige Antwort hätte sein können: „Ich würde zuerst sicherstellen, dass alle im Raum in Sicherheit sind. Dann würde ich den Ursprung des Problems suchen — kommt das aus der Belüftung? Ist jemand verletzt? Danach: professionelle Hilfe holen, den Raum sperren, das Team informieren." Team zuerst. Ursache danach. Lösung dann.

Wer bei einer unerwarteten Frage sofort in den Autopilot geht, zeigt sein echtes Denkmuster. Nicht das trainierte. Das echte.

Schlechte Antwort

Lachen. Oberflächlich reagieren. Das Naheliegendste nennen ohne nachzudenken. Nicht ans Team denken. Keine Ursachensuche.

Starke Antwort

Kurze Pause. Strukturiertes Denken: Sicherheit → Ursache → Lösung → Kommunikation. Team als erste Priorität nennen.

10 Fragen die toxische Führungskräfte entlarven

„Erzählen Sie mir von einem Fehler den Sie als Führungskraft gemacht haben und was daraus geworden ist."
Was Sie sehen: Selbstreflexion oder Schuldabwälzung. Wer keine Fehler nennen kann — oder immer andere schuldig macht — zeigt fehlende Reife.
„Wie reagieren Sie, wenn ein Teammitglied Sie öffentlich kritisiert?"
Was Sie sehen: Kritikfähigkeit. Wer defensiv, ausweichend oder strafend antwortet, schützt das Ego — nicht das Team.
„Was würden Ihre Mitarbeitenden nennen, wenn ich sie fragen würde, was Sie besser machen könnten?"
Was Sie sehen: Ob die Person ihr eigenes Bild mit dem des Teams abgeglichen hat. Wer hier pausiert und ehrlich antwortet, weiss, wer er ist. Wer sofort Stärken nennt, weiss es nicht.
„Wie gehen Sie mit Mitarbeitenden um, die deutlich mehr Fachwissen haben als Sie in einem Bereich?"
Was Sie sehen: Sicherheit vs. Bedrohungsgefühl. Starke Führungskräfte bauen auf Expertise anderer. Schwache bekämpfen sie.
„Wie treffen Sie eine Entscheidung, wenn das Team mehrheitlich anderer Meinung ist als Sie?"
Was Sie sehen: Wie die Person mit Widerstand umgeht. Hört sie zu? Bezieht sie Argumente ein? Oder entscheidet sie per Hierarchie?
„Was ist Ihr erster Impuls, wenn jemand in einem Meeting Ihrer Einschätzung widerspricht?"
Was Sie sehen: Reaktion auf Dissens. Impuls ist ehrlicher als geplante Antwort. Beobachten Sie auch die Körpersprache beim Antworten.
„Erzählen Sie mir von einer Situation, in der Sie jemandem eine schwierige Wahrheit sagen mussten."
Was Sie sehen: Mut zu Direktheit — oder Konfliktvermeidung. Wer nie schwierige Gespräche führt, führt auch keine echten Mitarbeitergespräche.
„Wie definieren Sie Ihren Führungsstil in drei Wörtern und geben Sie ein konkretes Beispiel für jedes davon?"
Was Sie sehen: Ob die Person zwischen Selbstbild und Verhalten unterscheiden kann. Schöne Adjektive sind günstig. Beispiele sind ehrlich.
„Was passiert in Ihrem Team, wenn ein Projekt scheitert?"
Was Sie sehen: Fehlerkultur. Wird Schuld verteilt oder werden Lektionen gezogen? Die Antwort sagt alles über die Sicherheitskultur im Team.
„Was würde ein ehemaliger Mitarbeitender, der Sie nicht mochte, über Sie sagen?"
Was Sie sehen: Die ehrlichste Antwort im Interview. Wer hier nachdenklich und ehrlich antwortet, hat Selbstkenntnis. Wer niemanden nennen kann — lügt sich selbst an.

Was die Körpersprache sagt

Gleichzeitig mit den Antworten beobachten:

„When someone shows you who they are, believe them the first time." — Maya Angelou
Fazit

Ein Vorstellungsgespräch ist keine Prüfung in eine Richtung. Es ist ein beidseitiger Datenerhebungsprozess. Die Fragen, die Sie stellen, sagen ebenso viel wie die Antworten, die Sie bekommen. Nutzen Sie diese Zeit. Tote Fische von der Decke und all das, was die Person dann denkt, sagt und fühlt — erzählen manchmal mehr als ein ganzes CV.

Führungskräfte-Selektion professionalisieren?

Ich helfe Ihnen, Auswahlprozesse zu bauen die Kompetenz sichtbar machen — statt Selbstdarstellung zu belohnen.

Gespräch anfragen →