Pricing Juni 2026·7 Min.

Warum MedTech-Unternehmen zu billig verkaufen und was es wirklich kostet.

Ein Produkt das Leben rettet oder Arbeit reduziert wird oft zum Preis eines Verbrauchsmaterials verkauft. Nicht, weil der Markt es so will — sondern, weil die eigene Preisfindung keine Value-Logik kennt.

Eine Erhöhung des Verkaufspreises um 1% hat durchschnittlich 8× mehr Einfluss auf den operativen Gewinn als eine Kostenreduktion von 1% (McKinsey Pricing Study). Im MedTech-Sektor wird dieses Hebelpotenzial systematisch verschenkt — durch Kostenorientierung, Wettbewerbsparanoia und das fehlende Vokabular für Wertgespräche.

+8×
mehr Gewinneinfluss durch 1% Preiserhöhung vs. 1% Kostenreduktion (McKinsey)
72%
der MedTech-Hersteller unter 50 Mio. Umsatz verwenden Cost-plus als primäre Preismethode
15–30%
typisches Preisverbesserungspotenzial bei professioneller Value-based Pricing Einführung

Warum MedTech systematisch zu billig preist — 5 Ursachen

1

Cost-plus als Default

Herstellungskosten + Marge = Preis. Logisch aber blind: Es ignoriert komplett was der Kunde bereit ist zu zahlen und warum.

2

Wettbewerbsangst ohne Basis

"Der Wettbewerber ist günstiger" — oft eine Vermutung, selten belegt. Wer billiger ist schützt sich nicht mit einem besseren Preis, sondern schafft einen Race-to-the-Bottom.

3

Einkauf als einziger Ansprechpartner

Wer ausschließlich mit dem Einkauf verhandelt, verhandelt nur über Preis. Wer den Klinikdirektor und den Arzt im Gespräch hat, verhandelt über Wert.

4

Kein Wert quantifiziert

„Unser Gerät ist besser" — aber um wie viel? Wie viele Minuten OP-Zeit spart es? Wie viel kostet eine vermiedene Reinfektion? Wer das nicht rechnet, kann es nicht verhandeln.

5

Angst vor dem Nein

Ein höherer Preis zu nennen fühlt sich riskanter an als ein niedriger. Dabei: wer zu billig einsteigt, konnte selten danach erhöhen — der erste Preis wird zum Anker.

Die drei Preismethoden und was sie leisten

Methode 1

Cost-plus Pricing

Kosten + Marge. Einfach, sicher — aber ignoriert komplett den Kundenwert. Häufigste Methode, schlechteste Ergebnisse.

Methode 2

Wettbewerbs-Pricing

Am Marktpreis orientieren. Verhindert Preisführerschaft und zwingt zur Differenzierung über andere Hebel.

Methode 3

Value-based Pricing

Preis orientiert sich am Wert für den Kunden. Erfordert Wertquantifizierung — liefert dafür die höchste Marge.

Wert quantifizieren — ein Beispiel

Gerät reduziert Post-Op-Komplikationsrate um 2%
→ bei 500 Eingriffen/Jahr = 10 vermiedene Komplikationen
→ Durchschnittskosten einer Komplikation im Krankenhaus: CHF 12'000
→ Wert für das Krankenhaus: CHF 120'000/Jahr
Gerät kostet CHF 45'000. ROI in unter 5 Monaten. Jetzt verhandeln Sie — nicht über Preis, sondern über Wert.
„Wer seinen Preis nicht begründen kann, wird ihn immer verteidigen müssen. Wer seinen Wert begründen kann, hat die Verhandlung schon gewonnen."

Was sofort helfen kann

Das Kernprinzip

MedTech-Produkte, die Patienten sicherer, Ärzte schneller oder Krankenhäuser effizienter machen, haben einen messbaren wirtschaftlichen Wert. Dieser Wert ist der Ausgangspunkt für den Preis — nicht die Herstellungskosten. Wer das umdreht, lässt Marge liegen die niemand einfordert außer dem Kunden.

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